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Berufsfeuerwehrtag der Jugendfeuerwehr Riedlingen

Suchen, retten, löschen - und hundemüde ins Bett fallenNachts um eins waren sie dann hundemüde. Kein Wunder. Die 22 Jugendfeuerwehrmitglieder aus Riedlingen hatten gerade den 14 Einsatz hinter sich. Eben hatten sie einen Hüttenbrand gelöscht – eine von vielen Aufgaben, die ihnen im Rahmen der Aktion „Berufsfeuerwehrtag“ gestellt wurde. Denn in 24 Stunden sollten die Kinder und Jugendlichen die ganze Bandbreite der Feuerwehr erleben. Und trotz aller Anstrengung, hatten sie auch Freude daran: „Das macht schon Spaß“, sagten vier der Teilnehmer einhellig.

Es ist Samstagvormittag, 12.15 Uhr. Die 22 Teilnehmer zwischen zehn und 17 Jahren harren am Feuerwehrgerätehaus des nächsten Programmpunkts. Eigentlich riecht es schon fast nach Mittagessen, als erneut der Alarm ertönt. „Personenrettung“ lautet die Ansage.
Person in Futtersilo gefallen
Zwei Fahrzeuge und die Drehleiter fahren zu diesem Übungseinsatz hinaus. Die Aufgabe, die die Jugendlichen vorfinden, ist knifflig: Auf dem Dachboden eines Hofs auf der Mühlinsel sei eine Person in ein Futtersilo gefallen. Der Verletzte, eine Puppe, soll mit Hilfe einer „Schleifkorbtrage“ durch eine kleine Luke nach oben gebracht und mit Hilfe der Drehleiter sicher auf den Boden gebracht werden.
Personenrettung aus einem engen Futtersilo.
Warm ist es unter dem Dach als die jugendlichen Feurwehrler und ihre erwachsenen Begleiter in voller Montur die Rettungsaktion vorbereiten. „Wer geht runter?“, fragt Stadtbrandmeister Stefan Kuc. Mehrere Kinder melden sich.
Die beiden Ausgewählten werden gesichert und steigen die Leiter nach unten zum Verletzten, während die anderen die Trage sichern und vorbereiten. Ganz vorsichtig wird diese nach unten gelassen, der Patient aufgeschnallt und dann nach oben gehievt. Durch ein kleines Fenster wird die Trage auf der Drehleiter gesichert und der Patient nach unten gebracht. Aufgabe nach einer halben Stunde gelöst.
Gespür für die Aufgabe bekommen
Das sei sicher keine klassische Aufgabe eines Feuerwehrmanns gewesen, sagte Stefan Höhn, Jugendwart der Abteilung Riedlingen. Aber es sei ja gerade Ziel dieser 24-Stunden-Aktion, dass die Nachwuchs-Feuerwehr’ler das komplette Spektrum der Feuerwehrarbeit erleben und auch üben können. Nur so bekommen sie ein Gespür für die Aufgabe.
Vorbereitet wurde dieser Aktionstag vornehmlich von Ausbilder Tobias Brendle und von Stadtjugendwart Stefan Lorencic. In den 24 Stunden haben sie 14 Einätze untergebracht, bei denen zehn erwachsene Betreuer assistieren.
Von der Drehleiter aus wird disponiert.
Dazwischen sind auch Spiele, Freizeit und natürlich auch Schulungen für die Nachwuchsfeuerwehrkräfte platziert. Ein voller Tag, auf den die Jugendlichen aber hingefiebert haben. Er sei froh, dass der Tag nun endlich da sei, hat ein Vater den Organisatoren erzählt. Denn sein Sohn habe schon mehrere Tage vor Aufregung nicht geschlafen.
Dass sie sich auf diesen Tag voller Aktion freuten, bestätigen auch Mark Kuznecov (14 Jahre), Johannes Weber (13), Kilian Emhart (14) und Juliane Birk (14). Die vier sind zwischen 2,5 und vier Jahren bei der Jugendfeuerwehr.
Brandmeldeanlage im Schwimmbad löst aus
„Das ist cool“, sagt Johannes Weber über den Aktionstag. Die anderen pflichten im bei. „Das macht Spaß“, ergänzt ein anderer – trotz der Anstrengung. Aber mit Blaulicht raus fahren, ein echtes Auto mit einem Spreizer auseinander drücken oder einen echten Brand löschen – das hat schon was.
Am Samstagmorgen war es eher noch Unspektakulär. Eine Brandmeldeanlage im Schwimmbad hatte angeschlagen. Mit Hilfe eines Lageplans und einer Karte musste sich der Trupp unter Atemschutz im Raum zurechtfinden – wie im Ernstfall. Beim nächsten Einsatz wurde ein Toilettenbrand in der Festhalle gemeldet.
Bei einer Übung mussten Verletzte aus dem Auto geholt werden.
Vor Ort war alles komplett vernebelt. Aber auch das Beseitigen einer Ölspur oder die Suche nach einer vermissten Person am Samstagabend in den Mißmahl’schen Anlagen gehörte zum Programm. Vor allem letzteres hat die Kinder geschlaucht: In voller Montur durch die Misse zu streifen und nach Vermissten zu suchen sei schon anstrengend, berichtete Brendle.
Aus den Feldbetten geholt
Der Höhepunkt kam um 23.30 Uhr. Eigentlich war schon Bettruhe, doch dann wurden sie durch den Alarm aus den den Feldbetten im Feuerwehrgerätehaus gejagt. „Hüttenbrand in Neufra“ – so die Alarmierung. In der dortigen Kiesgrube hatten die Betreuer eine echtes Feuer entfacht. Die Teilnehmer mussten eine Wasserleitung aufbauen und dann konnten mehrere Trupps löschen, auch von der Drehleiter. „Das war das Highlight“, sagte Brendle im Rückblick.
Vor zwei Jahren hat die Riedlinger Feuerwehr nach langer Zeit wieder einen solchen Intensivtag angeboten. Mit großem Erfolg. Die meisten der Teilnehmer, die damals dabei waren, kamen auch dieses Jahr wieder.
Die Ziele sind vielfältig: Sie sollen an dem Tag zeigen, was sie sonst jeden Mittwoch üben, meint Brendle. Stefan Lorencic will ihnen auch einen Überblick geben, was später im Ernstfall auf sie zukommt und Stefan Höhn hebt einen anderen Aspekt hervor: Dass der Zusammenhalt unter den Jugendlichen gestärkt wird, dass der Tag sie zusammenschweißt.
Tobias Brendle zieht nach dem Intensivtag ein positives Fazit: „Es war auch für uns anstrengend“, sagt er, aber: Es hat sich gelohnt, wenn man sieht mit wie viel Freude die rangegangen seien.
Bericht: Schwäbische Zeitung

Bilder: Jugendfeuerwehr Riedlingen